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Kiang: Exopflanzen
- Andrea Kamphuis
- 23.12.2008

Nancy Y. Kiang: Fotosynthese unter fremden Sternen
In: Spektrum der Wissenschaft, Oktober 2008, S. 30-38
Übersetzung: Andrea Kamphuis
Kurzbeschreibung (Abstract)
Auf fremden Planeten würden wir wohl vergeblich nach grüner Farbe suchen. Oft vermag rote, blaue oder gar schwarze Vegetation das exotische Licht anderer Sonnen besser zu nutzen.
Kommentar von Andrea Kamphuis
Die erste Hälfte des Jahres 2008 stand bei mir im Zeichen der Alien-Evolution: Kurz nachdem ich für Berlin University Press das Buch "Jenseits des Zufalls" von Simon Conway Morris redigiert und für Spektrum einen Essay von Paul Davies über Mikroben-Aliens auf der Erde übersetzt hatte, konnte ich mich bei der Arbeit an diesem Artikel weiter in die Frage vertiefen, was Leben eigentlich ausmacht.
Wenn wir nach außerirdischem Leben suchen, worauf sollten wir achten? So manches, was wir als selbstverständlich und grundlegend empfinden, muss nicht überall gelten. Pflanzen, also Fotosynthese treibende Lebensformen, müssen zum Beispiel keineswegs grün sein. Kiang führt aus, dass das Strahlungsspektrum, das Pflanzen zur Energieproduktion nutzen können, vom Sterntyp (M, G oder F) und von der Zusammensetzung der Atmosphäre bestimmt wird. Welcher Teil dieses Spektrums tatsächlich verwertet wird, hängt dann von der Pigmentausstattung der Pflanzen ab. Zudem könnte sich das Leben auf Planeten mit starker schädlicher Strahlung noch gänzlich unter Wasser abspielen.
Wenn die NASA oder die ESA im Rahmen ihrer Planetensuchprogramme irgendwann nach Biosignaturen – physikalisch-chemischen Anzeichen für grundlegende Lebensvorgänge – Ausschau halten, sollten sie also auch nichtgrüne Vegetationsdecken in Betracht ziehen.
Ben-Jacob: Mikroben-Muster
- Andrea Kamphuis
- 22.12.2008

Eshel Ben-Jacob und Herbert Levine: Muster in der Mikrobenwelt
In: Spektrum der Wissenschaft, Dezember 1998, S. 56-61
Übersetzung: Andrea Kamphuis
Kurzbeschreibung
Kolonien von Bakterien und sozialen Amöben formieren sich zu eindrucksvollen Mustern, die an komplexe Gebilde der unbelebten Natur erinnern.
Kommentar von Andrea Kamphuis
Wenige Jahre, nachdem ich Eshel Ben-Jacob und seinem Doktoranden Ofer Shochet aus Tel Aviv auf einer kleinen Biomathematiker-Tagung begegnet war, auf der sie über komplex strukturierte Mikroorganismenkolonien referierten, konnte ich für Spektrum diesen wunderschön illustrierten Aufsatz übersetzen – und ihn gleich um eine deutsche Literaturempfehlung ergänzen, wie bei dieser Zeitschrift oft gewünscht: Andreas Deutsch von der Abteilung für Theoretische Biologie am Botanischen Institut der Uni Bonn, an der ich damals gerade meine Dissertation schrieb, hatte nämlich ein Buch über die "Muster des Lebendigen" herausgegeben, in dem Ben-Jacob und seine Mitarbeiter ein Kapitel verfasst hatten.
Die am Rand fiedrig gelockte Kolonie auf dem Cover des Heftes wurde vom "Heubazillus" Bacillus subtilis auf weichem Agar gebildet. Das leuchtende Rot, Gelb und Grün stammte allerdings einfach von den Lebensmittelfarben, die die Autoren auf den Agar geträufelt hatten – Trick 17!
Dalai-Lama-Doppelrezension
- Andrea Kamphuis
- 22.12.2008

Victor und Victoria Trimondi: Der Schatten des Dalai Lama – Sexualität, Magie und Politik im tibetischen Buddhismus;
Colin Goldner: Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs
Doppelrezension von Andrea Kamphuis
In: humanismus aktuell, November 1999, S. 100-103
Kurzbeschreibung
Über Jahrzehnte hinweg blieb der Buddhismus von der Religionskritik weitgehend verschont. Nun stoßen gleich mehrere Bücher in diese Lücke, von denen hier zwei vorgestellt werden sollen.
Kommentar von Andrea Kamphuis
Doppelrezensionen sind ein Steckenpferd von mir. Wie oft liegt ein Thema in der Luft, sodass fast gleichzeitig mehrere Bücher auf den Markt kommen, und wie deutlich treten die spezifischen Stärken und Schwächen der Werke durch den direkten Vergleich zutage!
Allerdings ist auch Aufwand besonders hoch – vor allem, wenn man sich geschworen hat, niemals ein Buch zu besprechen, das man nicht zur Gänze gründlich gelesen hat. Bei der 816-Seiten-Kampfschrift der magisch denkenden Trimondis kein leichtes Unterfangen! Auch Goldners schlankeres Buch empfand ich in seiner massiven Ideologiekritik selbst schon wieder als ideologisch, aber im Vergleich schnitt es deutlich besser ab.
Petunia non olet
- Andrea Kamphuis
- 22.12.2008

Von: Andrea Kamphuis
In: Wechselwirkung – Technik, Naturwissenschaft, Gesellschaft; Februar 1989, S. 36-39
Kurzbeschreibung (Abstract)
Es ging durch die Presse: Das Kölner Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung stellte 1988 einen Antrag auf Freisetzung gentechnisch veränderter Petunien. Mit diesem Antrag wollte man auch die Diskussion über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Bundesrepublik initiieren, hieß es. Somit kommt diesem Freisetzungsversuch durchaus eine Vorreiterrolle auch für zukünftige Antragsverfahren zu.
Um die Öffentlichkeit auf diese Arbeiten richtig vorzubereiten, veranstaltete das MPI einen Pressetag im letzten Jahr, von dem Andrea Kamphuis berichtet.
Kommentar von Andrea Kamphuis
Teile dieses Artikels aus Studientagen fallen wohl unter "Jugendsünde"; Ausdrücke wie "der akademisch-industrielle Komplex", mit denen man damals gerne seine kritische linke Gesinnung herausstrich, würde ich heute jedenfalls nicht mehr verwenden. Ärgerlich auch, dass der nicht ganz unwichtige Exponent 4 irgendwo im Redaktionsnirvana abhanden kam, womit die Wahrscheinlichkeit für das erhoffte Auftreten einer seltenen Mutation in dem Maisgen, das die Wissenschaftler ins Petuniengenom eingefügt hatten, von 1:10.000 auf fantastische 1:10 anschwoll.
Im Großen und Ganzen stehe ich aber zu meiner damaligen Einschätzung, dass der titelgebende Kalauer, mit dem die Direktoren des MPI in Köln-Vogelsang 1988 der Presse ihren Freisetzungsversuch schmackhaft machen wollten, mehr verriet, als ihnen lieb sein konnte: dass nämlich das MPI mit seinen harmlosen bunten Blümchen den Weg für wirtschaftlich wesentlich interessantere Freisetzungsprojekte der Biotech-Industrie bereiten sollte. Eine Rechnung, die in Deutschland wegen der großen Skepsis der Bevölkerung gegenüber gentechnisch veränderten landwirtschaftlichen Produkten nicht aufgegangen ist – was ich nach wie vor überwiegend positiv sehe, während ich den Einsatz der Gentechnologie in der Medizin durchaus begrüße.
Wurzeln der Theoretischen Biologie
- Andrea Kamphuis
- 02.12.2008
The Roots of Theoretical Biology
Von: Wolfgang Alt, Andreas Deutsch, Andrea Kamphuis, Jürgen Lenz und Ulrike Schuldenzucker
Poster, 1999

Kurzbeschreibung (Übersetzung des englischen Abstracts)
"Roots of Theoretical Biology" ist ein erster, noch unvollständiger Versuch, einen Überblick über jene Wissenschaftler zu geben, die nach unserer Auffassung besonders großen Einfluss auf die Entwicklung der Theoretischen Biologie ausgeübt haben. ... Wir haben vor, nach weiteren Quellen zu forschen und diese "phylogenetischen" Studien fortzusetzen. Daher wären wir für Hinweise und Vorschläge aller Art dankbar, zumal da wir uns der Schieflage durch die Überrepräsentation deutscher Forscher auf diesem Poster bewusst sind.

Kommentar
Leider verfüge ich nur über einen alten Ausdruck dieses wegen seines chronologischen Aufbaus sehr breiten Posters, den ich nun in zwei Teilen abfotografiert habe.
Bei diesem "zweiten Streich" der Geschichts-AG der Abteilung für Theoretische Biologie am Botanischen Institut der Uni Bonn (nach dem Aufsatz von 1996) war ich für Literatur- und Bildrecherchen und die Texte über Giovanni Alfonso Borelli, René Descartes, Julius Schaxel, Wilhelm Ludwig, Ernst Haeckel und Hedwig Conrad-Martius zuständig. Die Kunst bestand darin, in aller Kürze die wesentlichen Charakteristika und Leistungen ebenso zu schildern wie die Bezüge zu den Vorgängern und Nachfolgern, wie in diesem Text über Borelli:
Giovanni Alfonso BORELLI (1608–1679)
Borelli studied medicine and mathematics in Naples and Rome; from 1635 on he taught mathematics in Messina, from 1656 on mathematics and astronomy in Pisa. In 1659 he became member of the Accademia del Cimento („experimental academy“, 1651–1667) which had been founded by students of Galileo in Florence. Although existing for only a few years, the academy had a strong impact on the international scientific community. Following the research program of Galileo and Descartes which claims that one should only investigate measurable phenomena and suggest only theories that can be handled mathematically, he tried to apply the laws of mechanics to medicine and biology (iatromechanics). Quite as Descartes he compared the body to (hydraulic) machines but in contrast to his predecessor Borelli appreciated experimental verification of theories. His most famous book, De motu animalium („About animal movement“, published posthumously in 1680–1681), is full of schematic sketches of moving animals and human beings (contraction of muscles, breathing and heart beat, walking, flying, and swimming). He reduces these phenomena to pure mechanics, e. g. lever systems, hydraulics, buoyancy, and uses these models to calculate the strength of forces active during movement.
