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Dohmen: Kosmische Lebenskunst
- Andrea Kamphuis
- 17.01.2009

Joep Dohmen: Kosmische Lebenskunst
In: Gehirn und Geist, 4/2004, S.74-77
Übersetzung aus dem Niederländischen: Andrea Kamphuis
Kurzbeschreibung (Abstract)
Was ist wahre Weisheit? Sie aktiv ausüben, meint der französische Philosoph Pierre Hadot. Zwanzig Jahre nach seinem Tod findet der einflussreiche französische Verfechter der Lebenskunst, der Philosoph Michel Foucault (1926-1984), einen Nachfolger. Sein eigener Lehrer, der mittlerweile 82-jährige Pierre Hadot, hat den Elfenbeinturm der Wissenschaft am Ende seiner akademischen Laufbahn gegen die öffentliche Arena eingetauscht – aus Wut und Verantwortungsgefühl!
Kommentar von Andrea Kamphuis
Eine der wenigen Übersetzungen aus dem Niederländischen in den letzten Jahren. Das Denken und die Werke des Professors für Geschichte des hellenistischen und römischen Denkens am angesehenen Collège de France, der sich in seinen Büchern und Aufsätzen mit Aspekten der antiken Philosophie und Theologie befasst hat, sind mir trotz dieses Artikels von Joep Dohmen, Philosoph und Dozent an der Universität Utrecht, ziemlich fremd geblieben. Ihn als Nachfolger Foucaults zu bezeichnen erscheint mir gewagt.
Freier Wille - frommer Wunsch?
- Andrea Kamphuis
- 17.01.2009

Helmut Fink, Rainer Rosenzweig (Hg.): Freier Wille – frommer Wunsch?
Rezension von Andrea Kamphuis
In: Spektrum der Wissenschaft, September 2006, S. 102-104
Kurzbeschreibung (Abstract)
Auf dem Höhepunkt der feuilletonistischen Aufregung um die vermeintliche Abschaffung des freien Willens durch die Neurowissenschaften, im Oktober 2004, veranstaltete der Nürnberger "Turm der Sinne" für die interessierte Öffentlichkeit ein Symposium zu diesem Thema. Für den vorliegenden Band haben zehn der zwölf Referenten ihre Vorträge zu Essays umgestrickt.
Kommentar von Andrea Kamphuis
Bei der ersten Lektüre gerät man noch kräftig ins Schleudern, weil die Autoren je nach Fachgebiet unterschiedliche Begriffe verwenden und verschiedene Schwerpunkte setzen. Aber wenn man im zweiten Durchgang fleißig hin- und herblättert, beginnen sich die Informationen und Argumente zu einem kohärenten Gesamtbild zusammenzufügen. Es klärt sich auch, was an der Debatte wirklich neu ist und was die Philosophen unter anderen Namen wie etwa Leib-Seele-Problem bereits vor Jahrhunderten beschäftigt hat.
Costerton, Stewart: Biofilme
- Andrea Kamphuis
- 17.01.2009

J. W. Costerton und Philip S. Stewart: Bekämpfung bakterieller Biofilme
In: Spektrum der Wissenschaft, November 2001, S. 58-65
Übersetzung: Andrea Kamphuis
Kurzbeschreibung (Abstract)
Für einige der hartnäckigsten Infektionskrankheiten sind Biofilme, gut organisierte Verbände von Bakterien, verantwortlich. Wer ihnen beikommen will, muss das Kommunikationssystem dieser Mikroben ausspionieren.
Kommentar von Andrea Kamphuis
Biofilme sind robuste Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen, die – obwohl Einzeller – eng zusammenhalten und sogar eine gewisse Arbeitsteilung entwickeln, die an die Gewebe von Vielzellern erinnert. Das macht sie so unberechenbar und schwer zu bekämpfen. Auf Kontaktlinsen, in Trinkwasserleitungen, in Blasenkathetern und auf anderen vermeintlich sterilen Oberflächen setzen sich die Bakterien mithilfe faseriger und klebriger Proteine fest, die sie ausscheiden. Durch Botenstoffe regen sie sich gegenseitig zur Vermehrung an. Im Inneren der Schichten bauen sich dann z. B. Sauerstoffgradienten auf; es entstehen unterschiedliche Milieus, in denen verschiedene Arten gedeihen können, die nicht einfach durch Antibiotika niederzuringen sind. Auch technische Systeme wie Wärmetauscher können durch Mikrofilme beschädigt werden.
Costertons und Stewarts Schilderungen haben bei mir zum einen großen Respekt vor der "Findigkeit" und der Kommunikativität vermeintlich primitiver Mikroben geweckt. Zum anderen leuchtet mir unmittelbar ein, warum man gegen solche Kolonien vorgehen muss, wenn sie am falschen Ort entstehen. Im Artikel werden einige Ansätze dazu vorgestellt.
Burkholder: Pfiesteria
- Andrea Kamphuis
- 17.01.2009

Joann M. Burkholder: Eine "Giftalge" mit vielen Tarnkappen
In: Spektrum der Wissenschaft, Januar 2000, S. 66-73
Übersetzung: Andrea Kamphuis
Kurzbeschreibung (Abstract)
Der Dinoflagellat Pfiesteria hält sich oft lange versteckt. Taucht der Einzeller auf, vernichtet er ganze Fischschwärme und kann sogar Menschen vergiften. In letzter Zeit bedroht der Winzling ganze Ökosysteme.
Kommentar von Andrea Kamphuis
Joann M. Burkholder, eine der führenden Forscherinnen auf diesem Gebiet, schildert die Erforschung des unheimlichen Dinoflagellaten. Erst in den 1990er-Jahren erkannte man in ihm den Verursacher des wiederholten Massenfischsterbens in bestimmten Küstengewässern. Der Organismus wirkt fast wie ein Wesen von einem anderen Stern; offenbar kommen in seinem komplexen Lebenszyklus 24 unterschiedliche, teils auch ganz verschieden aussehende Stadien vor.
Seit 2000 hat sich in der Pfiesteria-Forschung viel getan; man darf also nicht hoffen, hier noch den aktuellen Stand zu erfahren. Anfang des 21. Jahrhunderts bezweifelten einige Forscherteams, dass Pfiesteria überhaupt giftig ist; Burkholder und ihre Mitarbeiter hielten dagegen: Einige Formen seien hochgiftig, andere eben nicht. Auch die Taxonomie wurde mehrfach durcheinandergeschüttelt – kein Wunder bei einer Gattung, deren erste Art erst 1988 entdeckt wurde.
Falkowski: Eisendüngung der Meere
- Andrea Kamphuis
- 17.01.2009

Paul G. Falkowski: Der unsichtbare Wald im Meer
In: Spektrum der Wissenschaft, Juni 2003, S. 56-62
Übersetzung: Andrea Kamphuis
Kurzbeschreibung (Abstract)
Das Phytoplankton entzieht der Atmosphäre große Mengen Kohlendioxid. Durch Düngung der Meere mit Eisen lässt sich die Vermehrung dieser Mikroorganismen anregen; damit wäre möglicherweise der globalen Erwärmung entgegenzuwirken.
Kommentar von Andrea Kamphuis
Das Thema dieses bereits älteren Artikels tauchte Anfang 2009 plötzlich wieder in den deutschen Medien auf: Das Bundesumweltministerium hat das Bundesforschungsministerium ... nun ja ... je nach Lesart gebeten oder dringend aufgefordert, das geplante deutsch-indische Eisendüngungsexperiment Lohafex "noch nicht durchzuführen" (zu lesen war auch: zu stoppen). Bei diesem Experiment soll die Polarstern, das Forschungsschiff des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, in einem 300 Quadratkilometer großen Gebiet im Südmeer 6 Tonnen gelöstes Eisen ausbringen, um das Algenwachstum anzuregen. Über 45 Tage hinweg soll dann unter anderem nachgemessen werden, wie viel zusätzliches Kohlendioxid durch die so geförderte Algenblüte gebunden und mit dem abgestorbenen Plankton im tiefen Meer versenkt worden ist.
Doch die UN-Konferenz zur Biodiversitätskonvention, die im Sommer 2008 in Bonn stattfand, hat nach Ansicht des Bundesumweltministers und mehrerer Umweltschutzorganisationen de facto ein Moratorium für großflächige Eisendüngungen ausgesprochen, und nun wird darum gestritten, ob das Experiment unter dieses Moratorium fällt oder nicht. Generell ist Skepsis sicher angebracht: Auch Falkowski kam 2003 zu dem Schluss, dass der erhoffte Effekt solcher Düngungen an anderen Stellen im komplexen Gefüge der marinen Ökosysteme wieder zunichte gemacht werden könnte. Das Alfred-Wegener-Institut betont in seiner Pressemitteilung, dass der Versuch keineswegs gegen den Beschluss der Konvention über die biologische Vielfalt vom Mai 2008 verstoße.
Wer durch die aktuelle Berichterstattung neugierig geworden ist, kann sich in diesem Spektrum-Artikel kompakt und fundiert über die wissenschaftlichen Hintergründe informieren.
