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Alien! Das Muster des Monats 06/2016

Muster des Monats; (c) Stephan Matthiesen 2012

"Hallo Erdling, haste mal 'n Stück Uran? Mein Raumschifftank ist leer ..."

Leider war dieser etwas grimmig-verwirrt dreinblickende Außerirdische dann doch nur ein Baum (oder sollte ich "zum Glück" sagen?):

Baum mit Gesicht; (c) Stephan Matthiesen 2012

Dieses sehr kurze Muster des Monats soll nur daran erinnern, dass Muster in der Natur oft erst durch unsere menschliche Wahrnehmung ihre Bedeutung erhalten. Für die Natur selbst ist es bedeutungslos, wie diese Astlöcher angeordnet sind, doch wir sehen darin ein Gesicht. Schon mehrfach hatten wir Beispiele gesehen, wie unsere Wahrnehmung Gesichter oder Wesen in Strukturen hineininterpretiert, die eigentlich keine Gesichter oder Wesen sind, etwa bei dem Männlein im Walde oder dem freundlichen Gespenst. Denn unser Gehirn hat sich im Laufe der Evolution dahin entwickelt, Lebewesen und Gesichter besonders schnell zu erkennen, da wir mit ihnen interagieren bzw. manche uns auch gefährlich werden können. Im Zweifelsfall erkennt das Wahrnehmungssystem daher lieber einmal ein Gesicht, wo keines ist, als zu riskieren, ein echtes Gesicht nicht zu bemerken. Schon eine Strichzeichnung sehen wir als Gesicht, sogar mit Gefühlsausdrücken, wenn "Augen" und "Mund" vorhanden sind.

Natürlich, wenn wirklich ein Außerirdischer mit leerem Tank auf der Erde notgelandet ist, würden wir ihn wahrscheinlich gerade nicht sofort als Lebewesen erkennen - denn warum sollte ein Wesen von einem anderen Planeten überhaupt ein Gesicht mit zwei Augen, einer Nase und einem Mund haben, oder einen Körperbau mit Kopf und seitlich angeordneten paarigen Gliedmaßen? Dass alle Wirbeltiere auf der Erde diesen grundlegenden Bauplan haben, liegt an der gemeinsamen Abstammung.

Außerirdische müssten daher einen ganz anderen Bauplan haben. Die meisten Science-Fiction-Filme ignorieren dies allerdings und zeigen sie als zwar fremde, aber doch ähnlich aufgebaute Wesen. Denn für einen erfolgreichen Film müssen Kinobesucher irgendeine Art von intuitiver Beziehung zu den Handelnden aufbauen - und bei völlig andersartigen Wesen, die z. B. wie Quallen oder Muscheln aussehen, würde unser intuitives Wahrnehmungssystem versagen; wir könnten ihnen nur schwer Gefühle oder Absichten zuschreiben. Einige Science-Fiction-Filme sind sich dieses Problems durchaus bewusst und erklären die Ähnlichkeit dadurch, dass wir tatsächlich von Außerirdischen abstammen oder umgekehrt die Vorfahren der Außerirdischen ursprünglich von der Erde kommen.

Hmm, eigentlich wirklich schade, dass es nur ein Baum war. Ich hätte den Alien gerne so viel gefragt ...

Kommentare   

0 # Roland Dieterich 2016-06-04 16:06
Auch Katzen scheinen bedrohliches in simplen Gegenständen zu sehen, z.B. Gurken:
www.youtube.com/.../
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