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Das Muster des Monats, 12/2013

Westerstetten-Stein, Stuttgart

Was hat es wohl mit diesen Labyrinth auf sich, das ein wenig an zerdrückte Lakritzschnecken erinnert?

(Zur Erklärung bitte weiterlesen)

Im November war ich in Stuttgart. Vor dem Eingang des Museums am Löwentor, das zum Staatlichen Museum für Naturkunde gehört, steht ein gewaltiger Stein, der mit merkwürdigen Wülsten bedeckt ist. Da ich nur mein Mobiltelefon dabei hatte, sind die Fotos nicht besonders gut geraten. Hier ein anderer Ausschnitt des Klotzes:

Rätselstein von Westerstetten, Ausschnitt

Der Schatten eines Betrachters vermittelt einen Eindruck von der Größe des Steins. Die Wülste sind mehrere Zentimeter breit:

Westerstetten-Rätselstein, Schatten als Maßstab

Und jetzt mache ich es mir ganz einfach mit der Aufklärung: Niemand weiß, wie die Wülste entstanden sind. Der Klotz heißt "Rätselstein von Westerstetten", und die Wülste sind als "Westerstetten structures" oder "Westerstetten patterns" in die geologische Fachliteratur eingegangen. Lebewesen waren bei ihrer Entstehung wohl nicht im Spiel, daher zählen sie nicht zu den Fossilien.

Der fast fünf Tonnen schwere Klotz ist älter als seine Oberflächenverzierung. Er ist irgendwann in eine lehmgefüllte Karstspalte gefallen. Erst dann hat er eine Kalkkruste ausgebildet. Aber warum diese Kruste strukturiert ist, bleibt rätselhaft - irgendein physikalischer oder chemischer Selbstorganisationsprozess.

Im Inneren des Museums habe ich später gewissermaßen das Gegenstück zum Westerstetten-Stein entdeckt: ein sehr kleines, zartes Spurfossil, das nicht so aussieht, als wäre ein Lebewesen an seiner Entstehung beteiligt gewesen - denn welches Tier (außer der Honigbiene) baut schon hexagonale Strukturen?

Spurfossil im Stuttgarter Naturkunde-Museum

Der Sedimentstein stammt vom Meeresboden und ist mit einer Weidespur eines unbekannten Tiers bedeckt, das in diesen Gängen vermutlich Algen kultiviert und regelmäßig abgeerntet hat. Das Gebilde wird Paleodictyon genannt, und das Tier war vermutlich wurmförmig.

Offenbar leben seine Nachfahren noch heute in der Tiefsee, denn man findet dort ab und zu neue Sechseck- und Spiralmuster. Seltsamerweise hat man aber noch nie einen Organismus oder wenistens Überreste von Gewebe in den Gängen angetroffen. Rätsel über Rätsel!

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