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Das Muster des Monats, 10/2013

Wir waren in Nordnorwegen. Was sind das wohl für Wellen?

(Zur Erklärung bitte weiterlesen)

Es handelt sich um eine Serie von Strandwällen aus Schotter, die Teil des Naturreservats Roddenes ist. Hier eine Detailaufnahme, auf der man erkennt, dass sich die Wälle auch jenseits der eingezäunten Straße bis zum Hang des Berges Munkavarri fortsetzen:

Das Naturreservat liegt am Ostufer des Porsangerfjords, etwas nördlich des 70. Breitengrads. Der östlich gelegene Bergrücken besteht aus Sedimenten und entstand vor etwa 380 Millionen Jahren im Zuge der Kaledonischen Gebirgsbildung. Ein 2,7 Kilometer langer Natursteig führt an mehreren geologischen Besonderheiten vorbei, unter denen die Strandwälle geologisch und klimahistorisch am wichtigsten sind.

Im folgenden Foto erkennt man vorne links einen gewaltigen Dolomit-Findling mit einer Schautafel. Er gibt einen ersten Hinweis auf den Mechanismus, der die Strandwall-Serie erschaffen hat:

Der Findling wurde von einem Gletscher abgesetzt. Die gesamte norwegische Landmasse war in der letzten Eiszeit mit einem gewaltigen Eisschild bedeckt. Seit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren hat sich die Landmasse - vom enormen Gewicht des Eises befreit - um mehr als 100 Meter angehoben. Zwar ist durch die Eisschmelze auch der Meeresspiegel gestiegen, aber bei weitem nicht so stark. Daher hat sich die Küstenlinie immer weiter in Richtung des heutigen Fjords verschoben. Immer wieder bildeten die Springfluten an der Küste aus dem aufgewirbelten Sediment einen neuen Strandwall, der dann durch die Küstenhebung dem Zugriff der Wellen entzogen und durch einen niedriger gelegenen neuen Wall ersetzt wurde.

Die Landhebung verlief nicht gleichmäßig: Zwischendurch wurde das Klima wieder kälter, und die Gletscher schrumpften nicht weiter oder wuchsen sogar wieder. Darauf folgten Phasen des beschleunigten Abschmelzens und entsprechend starker Hebung, und so weiter. Wie hoch einige der alten Strandwälle mittlerweile über dem Meeresspiegel liegen, lässt das folgende Foto ahnen:

Auch an einer anderen Stelle unserer Reise bekamen wir einen beeindruckenden Beleg für die starke Anhebung Norwegens zu Gesicht. Der 258 Meter hohe Hügel Torghatten hat etwas oberhalb der Mitte ein großes Loch, das einst auf Meeresniveau lag und von der Brandung geschaffen wurde. Es dürfte heute ungefähr 150 Meter über dem Meeresspiegel liegen:

Zurück nach Roddenes: Die postglaziale Landhebung setzt sich bis heute fort, denn die Gletscher sind zwar längst abgetaut, aber der Erdmantel ist so zäh, dass er zeitverzögert reagiert. Während Norwegen sich früher um etwa 75 Millimeter im Jahr hob, hat sich der Aufstieg heute auf etwa 10 Millimeter jährlich verlangsamt. Näher an der Fjordküste erkennt man die jüngeren Strandwälle:

Der jüngste Wall ist durch streifige Seetang-Ablagerungen und Grasbewuchs markiert:

Norwegen ist jedenfalls ein Land, das einen wünschen lässt, man hätte Geomorphologie studiert. Vermutlich werde ich in den kommenden Monaten noch weitere Naturmuster vorstellen, denen wir in diesem Urlaub begegnet sind.

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