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Das Muster des Monats, 08/2012

Muster- und Strukturenratebild, August 2012

MuMo 2012-08

(Zur Erklärung bitte weiterlesen)

Wer schon einmal im Frühsommer aufmerksam durch einen Misch- oder Nadelwald gelaufen ist, wird dieses architektonischen Meisterwerk vermutlich trotz der Farbumkehr erkannt haben: Es ist ein Fichtenkeimling – kurz vor dem Abwurf der Samenhülle, die die Nadelspitzen noch zu einem Zwiebeltürmchen zusammenhält. Hier derselbe Keimling aus einem etwas anderen Blickwinkel:

ein Fichtenkeimling

Das nächste Bild zeigt eine weitere Jungfichte, die ihre Samenhülle bereits abgestreift hat. Hinter ihr ein Korallenpilz, der Klebrige Hörnling, und ringsum zwei Moosarten:

Moos, Klebriger Hörnling, Fichtenkeimling

Auf dieser Wanderung im Bergischen Land, Anfang Juli, haben wir noch weitere Lebensformen entdeckt, die viel interessanter sind als Nadelbäume. Allerdings will ihr Erscheinungsbild nicht so recht zum Thema "Muster und Strukturen in der Natur" passen; ihr Name leiter sich vom Inbegriff der Strukturlosigkeit ab: Schleimpilze. Hier zunächst eine Gelbe Lohblüte (Fuligo septica) im bereits eingetrockneten Spätstadium:

Fuligo septica

Wenn man nur nah genug heranzoomt, entdeckt man doch noch so etwas wie eine schwammartige Struktur; allerdings ist diese mit einer simplen Kamera im dämmrigen Wald schwer abzulichten:

Gelbe Lohblüte im Spätstadium

Die Briten haben diesem Schleimpilz übrigens die überzeugenden Trivialnamen dog vomit slime mold sowie scrambled egg slime verliehen. Auf einem weiteren verrottenden Baumstumpf konnte ich noch ein Exemplar fotografieren, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es zur selben Art gehört. Auf jeden Fall handelt es sich um ein früheres Stadium: ein Plasmodium, das noch Ausläufer bilden kann.

Gelbe Lohblüte? (unsicher)

Den beeindruckendsten Schleimpilz meines Lebens habe ich vor fünf Jahren in Mittelschweden fotografiert: ein Plasmodium der Art Mucilago crustacea, das über die Grashalme auf einer Waldlichtung kroch.

Schleimpilz in Schweden

Schleimpilze lassen sich auf feuchten Tüchern in Petrischalen halten und zum Beispiel mit Haferflocken füttern. Im Internet finden sich zahlreiche Beschreibungen der einfachen Experimente, die man mit diesen faszinierenden Organismen anstellen kann. So sind die Plasmodien in der Lage, Nahrung aus einiger Entfernung chemisch zu orten und gezielt in die richtige Richtung zu kriechen (Chemotaxis). Beim nächsten Mal werde ich ein Stückchen einpacken und das einmal ausprobieren.

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