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Das Muster des Monats, 03/2011

Muster- und Strukturenratebild, März 2011

Schnecke auf Madeira

Ähm ... eine Schnecke? – Ja, schon richtig. Aber was ist bloß mit ihrem Haus passiert?

Bei einer Tageswanderung auf Maderia kroch mir Ende Januar dieses Weichtier über den Weg. (Bringen schwarze Schnecken von links Unglück?) Erst bei dem Versuch, sie aus der Nähe zu fotografieren, fiel mir auf, dass mit ihrem Gehäuse etwas "nicht stimmte": Es war, wie ich durch Anstupsen bestätigen konnte, zur Gänze mit weichem Mantelgewebe überzogen.

Oder handelte es sich womöglich gar nicht um eine Gehäuseschnecke, sondern um eine Nacktschnecke? Wieso dann aber die typischen Windungen, die auf dem Bild links noch einmal deutlicher zu erkennen sind?

Obwohl die Weinbergschnecke seit Kindertagen mein Lieblings- sowie virtuelles Wappen- und Totemtier ist, kenne ich mich mit der Systematik der Schnecken nicht aus, und so musste ich der Sache nach der Rückkehr aus dem Urlaub auf den Grund gehen.

Rasch stellte sich heraus, dass ich einer Glasschnecke (Familie Vitrinidae) begegnet war. Offenbar kann man gerade an den Glasschnecken auf Madeira den Übergang von den Gehäuse- zu den Nacktschnecken besonders gut beobachten: Bei einigen Arten ist das Haus zwar dünn und zum Rückzug bereits zu klein, aber noch unbedeckt. Bei anderen ist die Gehäuserückbildung oder Vitrinisierung weiter vorangeschritten, bis hin zur vollständigen Bedeckung der Gehäusereste durch den Mantel. Vermutlich gehört das auf Madeira angetroffene Exemplar zu Gattung Plutonia, die auch auf den Azoren vorkommt.

Bereits der letzte gemeinsame Vorfahr aller heutiger Schnecken, der im Kambrium im Meer lebte, hatte vermutlich ein Haus. In Lebensräumen, in denen keine Austrocknung droht, sparen sich einige Arten die Energie und das Material für den Aufbau eines Schneckenhauses. Solche Nackt- oder "Halbnacktschnecken" müssen sich gegen Fressfeinde anders zur Wehr setzen, zum Beispiel durch Gift, Schleim oder Verstecken unter Laub und Erde. Tatsächlich ist mir die schwarze Plutonia auf Madeira nur im Wald und nach Regenfällen aufgefallen. Übrigens ist der Gehäuserest wie bei fast allen Gehäuseschnecken rechtsgewunden.

Auch sonst war die Wanderung für Freunde auffälliger Muster und Strukturen in der Natur ergiebig. Innerhalb einer halben Stunde gab es neben der Glasschnecke auch ein Dickblattgewächs (vermutlich die endemische Art Aeonium glutinosum) zu sehen, an dessen Blattrosetten sich der "goldene Winkel" der Phyllotaxis leicht bestimmen lässt:

Dickblattgewächs

Auch Flechten sind auf Madeira reich vertreten. Diese weiße Flechte auf einem Stein hat zahlreiche Fruchtkörper ausgebildet, die sich gegenseitig ins Gehege kommen und daher zu Polygonen verformen:

Flechten-Fruchtköper

Eine andere Flechte lässt an einem Spalt im Gestein eine Zonierung erkennen, die auf periodisches Wachstum hindeutet:

Flechte auf Madeira

Wo der Sturm eine Kiefer kappt, haben Baumpilze leichtes Spiel. Ihre Fruchtkörper drängen sich zwischen den Borkenplatten hindurch:

Baumpilze, Madeira

Der tote Baum steht recht exponiert auf einem Höhenkamm, von dem sich ein schöner Blick ins nächste Tal bietet:

Madeira, Wanderung 31.01.2011

Überhaupt hat Madeira großartige Ausblicke zu bieten, wenn das Wetter mitspielt:

Landschaft, 31.01.2011

Wir sind ein paar Mal sehr, sehr nass geworden und hätten in diesen Momenten viel um ein leichtes Gehäuse gegegeben, das man auf dem Rücken mit sich herumträgt, um sich bei allzu garstigen Bedingungen zurückziehen zu können!

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