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Das Muster des Monats, 02/2011

Muster- und Strukturenratebild, Februar 2011

Muster des Monats 2/2011; (c) Stephan Matthiesen

(Zur Auflösung und Erklärung bitte weiterlesen.)

Regelmäßige Leser werden schon vermutet haben, dass die Aufnahme wieder einmal an der schottischen Küste entstanden ist, nämlich in der Nähe von North Berwick – im Hintergrund die Insel Craigleath, wegen ihrer Seevogelkolonien ein beliebtes Ziel für Vogelfreunde:

Strand bei North Berwick; (c) Stephan Matthiesen

Doch das Muster des Monats hat nichts mit Vögeln zu tun. Vielmehr geht es um die kleinen Häufchen, die diesen Strand bedecken:

Wattwurmhaufen; (c) Stephan Matthiesen

Produziert werden sie von Wattwürmern, 20–40 cm langen Würmern, die in U-förmigen Röhren im Sand leben. Wie man auf dem Bild auch erkennt, befindet sich neben jedem der Sandhaufen ein Loch im Boden. Dieser sogenannte Fresstrichter bildet das vordere Ende der Röhre, und hier frisst Wurm den Sand. Dann verdaut er die organischen Bestandteile im Sand, und etwa alle halbe Stunde streckt der Wurm sein Hinterende aus dem anderen Ende der Röhre und scheidet die unverdaulichen Sandkörner als wurmförmige Häufchen aus. Wenn die Flut kommt, werden die Häufchen weggespült und der Fresstrichter mit neuem, nahrhaften Sand gefüllt.

So weit die Entstehung der einzelnen Häufchen. Interessiert hat mich aber mehr ihre Anordnung. Es ist zwar keine Regelmäßigkeit zu erkennen, aber völlig zufällig ist die Verteilung der Würmer auch nicht. Eine rein zufällige Verteilung würde nicht so gleichmäßig aussehen, sondern wir würden vielmehr Häufungen und Strukturen erkennen. Diese der Intuition etwas widersprechende Beobachtung sieht man beispielsweise am Sternenhimmel:

Sternbilder

In den uns sichtbaren Sternen, die im Wesentlichen zufällig am Himmel verteilt sind, sehen wir Strukturen – die Sternbilder. In der Mitte dieses Himmelsausschnitts erkennt man den bekannten Großen Wagen, links oben ist der Drache und rechts unten der größte Teil des Löwen zu sehen. Dazwischen finden sich eher sternleere Bereiche. Denn eine rein zufällige Verteilung heißt gerade nicht, dass die Sterne völlig gleichmäßig verteilt sind, vielmehr kommt es zu zufälligen leereren Gebieten und ebenso zufälligen Häufungen, die wir dann als Sternbilder wahrnehmen.

Im Bild der Sandhäufchen sind derartige Sternbilder ("Sandhaufenbilder"? "Wurmbilder"?) nicht so recht auszumachen, sie scheinen viel regelmäßiger über den Boden verteilt. Dies dürfte an einem Mechanismus liegen, der den gegenseitigen Abstand der Würmer in gewissen Maß regelt. Die Würmer fallen nicht einfach zufällig vom Himmel. Sie siedeln sich als erwachsene Tiere an und bleiben danach auch noch mobil. Wenn also zwei Tiere zu eng aufeinander sitzen, dürften sie ein wenig voneinander abrücken, aber es bleiben auch keine großen Lücken, die lange unbesiedelt bleiben. Die Folge ist eine viel stärkere Gleichverteilung als bei den Sternen.

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